Die Mousehole-Recovery Beim Bau einer Superroc sieht man sich immer wieder vor das gleiche Problem gestellt: Wie wird das Bergungssystem ausgestoßen? Zumeist entscheidet man sich für Mittel- oder Kopftrennung. Es gibt allerdings noch eine andere Art, den Fallschirm bzw. Strömer auszustoßen: die sog. ‘Mousehole-Recovery’ (Mauseloch-Bergung). Hinter dieser Bezeichnung verbirgt sich eine Konstruktion, bei der das Bergungssystem ohne Trennung des Raketenrohrs ausgestoßen wird. Der folgende Text soll das Funktionsprinzip der Mousehole-Recovery näher erläutern. Die Mousehole-Recovery basiert auf einer Idee, die z.B. bei der bekannten Ballonrakete ‘The Dude’ von Estes Anwendung gefunden hat: das Bergungssystem wird seitlich ausgestoßen. Es ist zu beachten, daß die Mousehole-Recovery grundsätzlich zu Beginn eines neuen Projekts eingebaut werden sollte, da man zu diesem Zeitpunkt noch guten Zugriff auf die Innenseite des Rohrs hat. Zunächst wird an der Stelle, an der der Fallschirm später ausgeworfen werden soll, eine möglichst kleine Öffnung in das Rohr geschnitten. Dieses Loch sollte gerade so groß sein, daß sich der gefaltete Fallschirm problemlos in das Rohr schieben läßt, auf keinen Fall größer! Natürlich verliert das Raketenrohr durch solch einen ‘Eingriff’ erheblich an Stabilität und es drohen Knicke. Um das zu vermeiden, muß das Rohr rund um die Öffnung an der Innenseite verstärkt werden. Dies geschieht einerseits durch Verstrebungen mit kleinen Holzleisten, andererseits mit einigen wenigen Lagen Glasfasergewebe. Anschließend fertigt man aus einem hitzebeständigen Material (z.B. bestimmte Kunststoffsorten) ein ovales Plättchen an, welches durch die Öffnung schräg in das Rohr eingebracht werden muß. Hier ist auf eine gute Verklebung zu achten! Die Aufgabe des Plättchens besteht in der Ablenkung der Ausstoßgase (und somit auch des Fallschirms) zur Seite. Soll das System einwandfrei funktionieren, ist es wichtig, daß das obere Ende der Öffnung mit dem Plättchen bündig abschließt. An welcher Stelle der Fallschirm mit dem Modell verbunden wird, bleibt jedem selbst überlassen. Man kann beispielsweise das Prinzip der Dude übernehmen: Der Fallschirm wird an der Spitze der Rakete befestigt und mittels einer langen Schnur zu der Öffnung geführt. Die Schnur verläuft dabei außerhalb des Rohres. - Die herkömmliche Befestigungsmöglichkeit für das Bergungssystem ist jedoch der Schockbandanker, der an der Innenseite des Rohrs (wenige Zentimeter unter der Öffnung) angebracht wird. Dieses Prinzip ist von den normalen Modellraketen bekannt. Schließlich benötigt man noch einen Verschluß für die Öffnung. Im Idealfall verwendet man zu diesem Zweck das am Anfang ausgeschnittene Rohrteilchen. Damit es beim Ausstoß nicht verloren geht, befestigt man es mit einer Schnur am Fallschirmsystem. Abschließend noch einmal eine kurze Zusammenfassung des Funktionsprinzips der Mauseloch-Bergung: Die Ausstoßgase des Treibsatzes drücken die Schutzwatte und den Fallschirm (seitlich umgelenkt durch das schräg eingesetzte Plättchen) durch die Öffnung im Rohr nach draußen. Die Superroc kehrt an ihrem Bergungssystem sicher zur Erde zurück und kann für ihren nächsten Flug vorbereitet werden. Auf diese Art und Weise wurden schon Dutzende erfolgreiche Superroc-Flüge durchgeführt, der Nachbau lohnt sich also garantiert! Prinzipiell kann man die Moushole-Recovery auch für Megarocs einsetzen, aber dafür sollte man die seitliche Öffnung im Rohr so weit wie möglich Richtung Spitze verlagern. |